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Rage against the Machine...

17:30 Uhr Balkon, Hütte, Green Hope Lodge, beginnende Dämmerung  

  

Anstrengender Tag. 6 Uhr aufgestanden. 6:40 Uhr gefrühstückt. Mehr als 15 Kilometer durch den Dschungel. 16:45 zurück in der Lodge. Schnell geduscht (stinken war schon fast kein Ausdruck mehr...) und jetzt die Ruhe genießen, die momentan noch durch ein schreiendes Kleinkind von links unterbrochen wird. Wird sich aber hoffentlich wieder beruhigen. Haben heute ein belgisches Paar getroffen, dass mit ihrer kleinen Tochter reist. Stelle ich mir doch manchmal sehr anstrengend vor. Die Vorteile für das Kind scheinen aber immens. Unglaublich viele verschiedene Eindrücke, Spielzeuge, Menschen, Temperaturen und Problemlösungsvarianten. Ich bin der Meinung es gibt nichts besseres für die Entwicklung junger Menschen. Mir fällt gerade ein Bezug zum Monkey-Rescue-Center ein das wir heute besucht haben. Dazu später mehr.   

  

Zuerst ein kurzer Sprung zurück zum gestrigen Eintrag. Ich will kurz auf lohntechnische, sozialpolitische und wirtschaftliche Problematiken eingehen. Ich versuche möglichst kurz zu beschreiben was mir im Gedächtnis geblieben ist (einiges werde ich dennoch nachschlagen müssen)   

Wenn man bei google "durchschnittlicher Lohn Vietnam 2017" eingibt, erscheint an oberster Stelle ein Link zur Seite gtai.de  , die Seit der Germany Trade & Invest (die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing) Diese ist zum Beispiel zuständig für Exportförderung, Investorenanwerbung und Standortmarketing.  

Auf dieser Seite erhalten also Deutsche Investoren Informationen zur Entwicklung der Bruttolöhne (2016 4,95 Millionen Dong 183 Euro), Reale Veränderung zum Vorjahr 5 Prozent), zur Qualifikation der Arbeitnehmer (79 Prozent der Erwerbstätigen keine berufliche Qualifikation), zu Informationen zu Festanstellungen (Nur 41 Prozent der Erwerbstätigen beziehen vertraglich geregelte, feste Löhne und sind damit sozialversichert) und zur sehr hohen Motivation junger Mitarbeiter, die jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt stoßen.

Für neutrale und unbeteiligte Leser wirken diese Zahlen zutiefst ernüchternd und alarmierend. Investoren muss dabei gleichzeitig das Wasser im Mund zergehen. In Vietnam lässt sich, trotz steigender Löhne, günstiger fertigen als zum Beispiel in der Volksrepublik China. Hinzu kommt die politische Stabilität des Landes. Investoren strömen ins Land, nutzen die günstigen Gegebenheiten und verlassen es, falls die Lohnkosten zu hoch und damit nicht mehr lukrativ sein sollten.  

Durch diese Entwicklung steigen die Lebenshaltungskosten für alle Menschen in Vietnam...Was tun also die 79 Prozent der Bevölkerung, die keine berufliche Qualifikation nachweisen können?   

Die Folgen des Wirtschaftsbooms gehen zu Lasten der Armen. Wie so oft auf der Welt, dient die untere Hälfte der Menschheit als Fußabtreter. Während ich in meinen Adidas durch den Dschungel laufe...(ich muss weiter mein Konsumverhalten reduzieren und die richtigen Produkte nachfragen, veganes Essen ist übrigens ein großer Schritt...nur so am Rande)   

Eine letzte Information, die mich überrascht hat.   

Vietnam hat ein Rentensystem das unserem in einigen Punkten ähnlich ist (sprich die Einzahler bezahlen die Rentner)  

In Vietnam ist es jedoch üblich und möglich sich Renten nach einigen Jahren ausbezahlen zu lassen. (Ein/e Arbeiter/in vom Hinterland arbeitet 10 Jahre 55 Stunden Akkordarbeit als Näher/in in der Stadt. Danach lässt er/sie sich die Rente ausbezahlen, zieht zurück in die Heimat, eröffnet einen Laden, etc. und heiratet. Weil durch diese vorzeutige Auszahlungen (danach bezahlen diese Menschen auch nicht mehr in die Rentenkasse ein)    der Rententopf 2030 nicht mehr zahlungsfähig sein wird, wollte die Regierung eine Rentenreform umsetzen, die es Arbeitnehmern vorschreibt ihre Rente erst nach dem 55. (Frauen) und 60. (Männer) beziehen zu dürfen. Es folgten heftige Demonstrationen, Streiks und Proteste, die zur Folge hatten, dass die Reform rückgängig gemacht wurde.   

Ich hoffe ich habe niemanden gelangweilt. Aber Touristen, die hier so günstig reisen können wie wir im Moment, sollten sich ihre Gedanken machen.   

  

Der nächste Eintrag folgt, mit seichterem Thema, nach dem Abendessen: Bericht aus dem Dschungel 

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