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Hallo Zynismus

Sonnenuntergang Vietnam Mui Ne Phan Thiet Aroma Beach Resort
Phan/Thiet Mui Ne

18:18 Hotelzimmer, vor einem Spiegel (immer diese Spiegel...)  

  

Ich bin nicht der Strandtyp. Das meinte eben selbst Melina. Langes Liegen, viel Sonne (ich bewege mich nur mit einer dicken Sonnencreme-Schicht durch die südostasiatische Welt...bis jetzt sonnenbrandfrei!) und Hotelanlagen-Isolation tun mir nicht gut. Wobei ich nichts gegen Langwierigkeit und Langeweile im eigentlichen Sinn habe. Ich mag es wenn das Leben entschleunigt und die Minuten nur ganz langsam und mit großer Anstrengung zu verrinnen scheinen.  

Ich bin eine furchtbare Strandurlaub-Begleitung...  

Haben heute morgen versucht der Anlage zu entfliehen. Taxi nach Phan Thiet. Ich glaube fast mich vom Fischsoßengeruch auf halber Strecke (in Phan Thiet befindet sich ein Hersteller für eben diese) übergeben zu müssen (Kein Spaß).   

Dann Angekommen.   

Nichts zu sehen.   

Bei harter Sonne geben wir der Stadt zu Fuß eine Chance...es bleibt uninteressant. Diese Gegend ist vom Meer-Tourismus abhängig. Die Städte einige Kilometer außerhalb bekommen nur wenig vom sprudelnden Dollarstrom ab und geraten in Vergessenheit. Aaaaber...keinen einzigen Touristen in Phan Thiet gesehen!! Das ist doch auch was :-)  

Nach kurzer Poolpause im Hotel (ja, man fragt sich Pause vor was...vielleicht vor dem Alltag in Winter-Deutschland) fahren wir nach Mui Ne, dem unsypathischsten Ort der bisherigen Reise. Toll an Mui Ne ist aber ein wunderbares Veganes Restaurant, dass von einer, sehr gut englisch sprechenden, Frau geführt wird. Es ist außerhalb, am Meer, wir fast allein und das Essen ist lecker und gesund. Wir trinken Mangosaft aus ihrem Garten hinter dem Haus. Sommerrollen, ein Curry, Avocadosalat...was will man mehr.     

  

Zurück im Hotel ist Zeit für einen Mittagsschlaf. (Ja, ich schlafe heute Mittag, während ich Vietnam bin...ich schäme mich selbst fast ein wenig)  

     

Um 17:30, die Sonne geht gerade unter, laufen wir am Strand entlang. Angeschwemmter Müll liegt auf dem Weg. Der Ozean möchte das, in ihn entleerte, Plastik wohl wieder loswerden (verständlicherweise). Der Abfall bleibt am Strand. Ich bin mir nicht sicher ob die Anlagenbetreiber die Strände säubern lassen. Die Frage, die sich danach stellen würde ist: Wohin mit den gesammelten Abfällen? Ein funktionierendes Entsorgungssystem scheint es nicht zu geben. Die Feuer an den Straßenrändern müssen reichen um zumindest einen Teil davon loszuwerden.  

Trotzdem ist das Meer und Strand wunderschön.  

  

Zurück im Resort. Mein geliebtes Resort. Diese besondere, anderen sozialen Strukturen untergeordnete, Gemeinschaft aus Sonnenhungrigen. Pärchen zeigen sich, während sie betont lässig Bücher lesen oder im Pool planschen. Die Umgangsweise mit Mitarbeitern der Hotelanlage ist teilweise geringschätzig und respektlos (Gesten und Anweisungen von russischen Urlaubern). Man(n) will sich wohl wie ein König fühlen. Testosterongeladene Alpha-Tiere mit, wohl tiefsitzenden, Komplexen. Endlich auf der Erfolgsleiter, in der Nahrungskette ganz weit oben (auch wenn es nur für 2 Wochen in Vietnam ist)   

Die Frauen genießen die Blicke des Personals, während sie in Bikini, über die Anlage flanieren. Zum Glück gibt es W-lan am Strand. Und den Selfie-Stick nicht vergessen! :-)   

Warum nach Vietnam, wenn es doch eh nur um Sonne, Strand, Pool und Bücher lesen geht? Da tut es doch auch Ägypten, oder Griechenland, oder Tunesien, oder die heimische Therme, oder was weiß denn ich.  

Bei Familien verstehe ich, wenn ein Resort gewählt wird. Ich glaube für Kinder ist das Meer und der Pool einfach das Interessanteste. Stundenlanges Reisen in überfüllten Bussen und lange Wanderungen durch smogvernebelte Städte würden wahrscheinlich die Belastungsgrenzen kleinerer Kinder übersteigen.  

Der Eintrag war ein wenig zynisch. Es tut mir Leid.   

Trotzdem große Dankbarkeit. Ich kann es nicht ertragen, wenn Menschen sich über Andere stellen, nur weil sie das Glück hatten, in wirtschaftlich stabile Gegenden geboren worden zu sein.   

Wertschätzung. Gleichheit. Liebe.   

  

Felix  

 

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