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Das Warten auf Jesus (in einer Plastikhöhle)

Hotelzimmer 5 Uhr Morgens   

  

Der Bus nach Ho Chi Minh ist gebucht, das vegane Essen für den Rückflug bestellt. Unsere Überlegung, die letzten Tage zur Entspannung einzuplanen, haben sich als schwierig herausgestellt. Wir sind unmotiviert und der Anlage, bei schlechtem Wetter, langsam überdrüssig. Hatten wir vorher ein hohes Tempo in unserer Reise, fühlen wir uns nun zum Nichtstun gezwungen. Ich weiß, dass es seltsam klingt, aber immer wenn Entspannung möglich ist, möchte ich sie nicht.   

(Ich könnte mich gerade dezent aufregen weil die Leertaste meiner Macbooktastatur nicht richtig funktioniert. Ich muss wesentlich fester drücken um ein Leerzeichen auszulösen...wird ausgetauscht werden müssen)  

  

Das Warten ist in Vietnam ein großes Thema. Viele Dienstleistungen sind doppelt und dreifach mit Mitarbeitern besetzt (ich bin mir nicht sicher ob allein die günstigen Lohnkosten der Grund dafür sind).    

Die Sicherheitsmänner des Hotels (Es sind 4) sitzen den Tag über an einem Platz. In den Taxis vor dem Hotel sieht man oftmals nur die Füße auf dem Amaturenbrett. Leere Restaurants und Straßenstände, Polizisten in den Städten. Überall scheinen Menschen überdurchschnittlich lange einfach zu warten. Nichts zu tun, bis etwas passiert.  

In Deutschland fällt es uns immer schwerer zu warten. Das Amazon-Paket, dass mehr als einen Tag benötigt um bei uns zu sein, ist fast schon nicht auszuhalten, bei Ikea Schlange stehen macht auch den Wenigsten Spaß, im Edeka fordern Menschen nach Minuten, die Eröffnung einer weiteren Kasse (am liebsten für jeden Kunden eine Eigene) und wenn auf der Arbeit einmal Leerlauf ist, fühlt man sich fast schon unbehaglich.  

(Gerade warte ich auf jeden Leertastenanschlag überdurchschnittlich lange...das ist allerdings wirklich nervig, da es meine Schreibgeschwindigkeit stark verringert...auf der anderen Seite muss ich, wenn ich länger diesen Eintrag schreibe, weniger lange auf Melinas Aufwachen und das Frühstück warten...ach was ein wundervoll beschissener Gedankengang)    

  

Ich wäre dafür dem "Warten" noch eine Chance zu geben. Vielleicht macht es uns glücklicher ganz ungeniert und ohne Scheu den Ruhemodus einzuschalten, wenn mal nichts zu tun ist. Fahrt rausnehmen, mal in den Himmel schauen und vielleicht mal den Menschen neben einem Fragen was es denn so Neues gibt. Zu zweit Warten ist für den Anfang wahrscheinlich die einfachere Disziplin.   

  

Oder alles beim alten lassen. Könnte ja rufschädigend sein, so ins Leere zu starren.   

  

Felix

 

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