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BASQUIAT BOOM FOR REAL in der Schirn

Basquiat Boom for Real

BASQUIAT BOOM FOR REAL  

  

Die Ausstellungsräume der Schirn sind gefüllt mit jungen Menschen. An einem Dienstag Nachmittag. Ein Mann, um die 70, erkundigt sich, bei einer Dame des Servicepersonals, ob denn oft Ältere die Ausstellung besuchen würden.   

Basquiat wird Anfang der 1980er zur Ikone. Wie in der Kurzbeschreibung zur Ausstellung zu lesen, ist er der erste dunkelhäutige jugendliche Autodidakt, der es in der New Yorker Kunstszene um Andy Warhol nach oben schafft.    

Und während man durch die Ausstellung geht, den Künstler besser kennenlernt und sich versucht sein Werk zu erschließen, ist eines erstaunlich.   

Alles wirkt zeitgemäß. Seine Art sich zu bewegen, sich auszudrücken, sich zu kleiden. Seine Kunst.   

Das heutige Berlin würde ihn ohne Zögern adoptieren, ihn mit einem Iphone ausstatten und sich zurücklehnen.   

Basquiat nimmt unser Leben vorweg indem er eine Zeit prägt, in die wir uns heute zurücksehnen.   

Mit starken Farben, großen Gesten, wegweisenden Veränderungen und freidenkender Kunstproteste gegen konservative Regierungen.   

Auch die Themen sind ähnlich.   

Wenn Basquiat seine eigene Identität als afroamerikanischer Jugendlicher zur Bildsprache bringt, fühlt man sich an aktuelle Rassenkonflikte und Sexismus-Debatten erinnert.   

Er bringt es auf den Punkt, damals wie heute, kurz und knapp. Vermutlich könnte er spielend mit Hashtags und Twitter umgehen.    

Wir fühlen uns ihm verbunden. Diesem hippen Ausnahmetalent.   

Doch wie viel steckt hinter der Ikone, den Tags, der Szene dieser Tage. Wie viel Kraft steckt im Werk?  

  

Der vor dem Fernseh liegende Drogensüchtige, der in Warhol seinen großen Unterstützer gefunden hat?  

Oder doch der Kunst-Überflieger, der impulsiv und in rasendem Tempo, die Kunst der kommenden Jahre vorwegnimmt?    

  

Der, ohne Filter, Reize kopierende Jugendliche?  

Oder der fein selektive, intuitive Versteher seiner Welt?  

  

Ich tue mich schwer. Tue mich schwer darin, alles hinter der Legende, dem schillernden Star, für große Kunst zu halten. Mir fehlen Symbolik und Szenen. Vielleicht bin ich auch nur überfordert und nicht in der Lage die Schwere und Tiefe der Bilder zu lesen.   

Die Interpretation ist in besonderem Maß nötig, um Basquiats Kritik herauszufiltern, um ihn greifen und einordnen zu können.   

  

Er ist prägend wie kein zweiter. Er ist laut, authentisch und herausfordernd. Er ist Zeitgeist. Unser Zeitgeist.   

  

BOOM FOR REAL  

  

Felix

 

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