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Los Angeles Teil 2 (Zwischen Pier und Straße)

Melina hatte heute Tränen in den Augen...Nicht weil wir bestohlen, bedroht oder beleidigt worden sind, sondern weil ein vorbeilaufender Hund einfach zu flauschig, zu süß, zu gepflegt war. Als er kurz stoppte um sie anzusehen war es um Melina geschehen...  

In Kalifornien scheint es mit allem so. Die Menschen sind freundlicher, emphatischer, die Autos leiser, die Auswahl größer und sogar die Sonne scheint ein wenig heller und wärmer als an anderen Orten dieser Welt.   

Willkommen zum zweiten Eintrag: Los Angeles (Zwischen Pier und Straße)

Ich sitze an einem alten Schreibtisch in unserem Zimmer. Dieses Zimmer war ursprünglich eine Garage. Nun ist es Teil eines Grundstücks, das neben einem Haupthaus auch 3 Räumlichkeiten zur Air-BnB-Vermietung beherbergt. Alles ist alternativ. Ein Hauch Indien, Nepal. Eine Prise Yoga, Thai-Chi und Meditation. Dazu Leben im Einklang mit der Natur, inkl. gemäßigtem Konsumverhalten. Alles ist alt, aus zweiter Hand, restauriert und repariert. Es gibt weder Fernsehen, noch ein eigenes Badezimmer. Es ist perfekt! An das, in der Mitte des Raumes, aufgehängte runde Bett, werde ich mich gewöhnen müssen. Bis jetzt fühlt es sich nachts an als würde ich den Pazifik auf einem Dreimaster überqueren.   

 

Es ist 20 Uhr. Ich bin, jetlatbedingt, wahnsinnig müde, weshalb ich versuche nicht auszuufern und auf den Punkt zu kommen.   

  

Die ersten Eindrücke. Passkontrolle: Schneller als erwartet. Der Himmel: dieses feine blau-rosa. Gebäude: niedrig und aus Holz. Billboards: riesig und überall.   

So könnte man Seiten füllen. Würde jeden Eindruck kurz anreissen und dir als Leser vor die Füße werfen. Das wäre einfach aber nicht spannend und ohne Fluss. Deshalb jetzt in ganzen Sätzen.

Wir nutzen "Uber" um den kilometerentfernten Bio-Supermarkt zu erreichen, der ein ungeahntes veganes und nicht-veganes Sortiment mit kunstvoller Präsentation verbindet. Alles wirkt frisch, hochwertig und gesünder (auch wenn Erdnussbutter ganz bestimmt nicht gesund ist) und ist dabei natürlich unglaublich tuer.    

"Uber" gibt uns auf der Hin- und Rückfahrt Kontrolle und Transparenz. Mit Hilfe der App wird ein Zielort ausgewählt, woraufhin das Programm die Umgebung nach freien Fahrern durchsucht. In höchstens 5 Minuten wird man abgeholt. Bezahlt hat man vorher per Paypal oder Kreditkarte, Trinkgeld ist nach der Fahrt optional (ebenfalls digital) Die niedrigen Preise sind gut für den Konsumenten, jedoch bestimmt nicht immer für die Fahrer. Eine der Problematiken, die ich sehe, ist, dass der Anreiz viele Fahrten in einer Stunde zu machen um einen angemessenen Stundenlohn zu verdienen, sehr hoch ist. Dadurch vielleicht ein höheres Tempo und weniger Rücksicht im Straßenverkehr. Ähnliche Problematiken gibt es in Deutschland bei den Fahrrad-Lieferdiensten.   

Ich als Kunde, muss sagen dass ich "Uber" großartig finde.

Abgesehen von Uber sind wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, die im allgemeinen sehr preisgünstig sind. Eine 30 minütige Fahrt mit dem Bus kostet pro Person 1,50$. Eine 7-tägige Metrokarte 25$.  

Los Angeles erstreckt sich über 503 Quadratmeilen (im Vergleich New York bei doppelter Einwohnerzahl 8 Millionen: 468 Quadratmeilen).  

Das heißt die Wege sind weit, und führen durch endlose Aneinanderreihungen von Flachbauten, Malls und geparkten Autos.   

  

 

Nach Freiluft-Frühstück fahren wir nach Santa Monica, um uns den Pier  Pacific-Pier/Park anzusehen. Auf dem, in den Pazifik hineinragenden, Pier, tummeln sich Touristen, Kleinkünstler und Fahrgeschäftbetreiber. Trotz vieler Menschen ist die Stimmung entspannt und ausgelassen. Es riecht nach Süßigkeiten, die Achterbahn rattert und das Riesenrad (wir machen eine Fahrt. 10$ pro Person)  dreht leise und erstaunlich sanft seine Runden. Der Ausblick über das Meer ist fantastisch, der Himmel wolkenfrei. Surfer sind auf der Jagd nach Wellen, während hundert Meter weiter zwei Delfine, in typischem auf und ab, durchs Wasser gleiten. Der Besuch des Pacific Parks lohnt sich trotz Menschenmassen!  

 

Danach nehmen wir die U-Bahn, die uns in ca. einer dreiviertel Stunde von Santa Monica nach Downtown Los Angeles bringt. Vorbei am Naturkundemuseum, der Universität und dem Stadion der LA Rams (American Football), hinein ins sterile Bankenviertel von Downtown. Wolkenkratzer, Shopping-Malls....und Obdachlose. In keiner Stadt habe ich bisher so offensichtlich und häufig Menschen gesehen, die unmissverständlich ohne Wohnsitz sind. Es werden Einkaufs- und Kinderwagen mit Habseligkeiten geschoben. Menschen schlafen auf Steinstufen und auf Parkbänken.   

Das Problem der vereinigten Staaten scheint, dass viele Menschen auf der Strecke bleiben, die von Seiten des Staats nicht aufgefangen oder aufgebaut werden, sondern schnell in Abwärtsspiralen geraten. Mich schmerzt der Zustand dieser Personen umgemein, weil es unnötig scheint. Das sage ich jedoch als Mensch, der sich mit den Gegebenheiten des amerikanischen Sozialstaats in keinster Weise auskennt.   

  

Zum Schluss des Eintrags noch einige Kurzeindrücke:   

Cannabis riecht man ähnlich häufig wie in Amsterdam (ist ebenfalls legalisiert) Tesla-Autos sieht man überdurchschnittlich oft. Die spanischsprechenden "Minderheiten" sind wichtiger Bestandteil und prägen die Kultur der Stadt maßgebend. Begrüßungen beginnen immer mit dem Satz: "Hello. How are you?" auf den man als Deutscher zuerst noch antworten möchte, bevor man merkt dass es sich um lehre Floskeln handelt.   

  

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Ich bin müde. Melina schnarcht im Schaukelbett.   

Wünsche euch einen schönen Sonntag.  

  

Felix 

 

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