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Von Los Angeles nach San Francisco

Von Angeles nach San Francisco (mit dem Greyhound)  

  

Ich habe einige Tage nichts berichtet, was an schlechtem Wetter (dadurch konnten wir am Donnerstag nur wenig interessante Dinge unternehmen), einer langen anstrengenden Busreise und allgemeiner Motivationslosigkeit dahingehend, sich morgens fast zwei Stunden vor dem Computer aufhalten zu müssen, liegt. 

Einige kleine Situationen und Erlebnisse fangen langsam an sich aus meinem Gedächtnis zu verabschieden. Da diese Einträge, wenn auch öffentlich, eine Art Reisetagebuch für mich selbst sind, muss ich wieder kontinuierlicher sein.     

  

Jetzt eine zweite kurze Einleitung bevor ich die Ereignisse versuche zu rekonstruieren. Wir sind in San Francisco. Ich sitze um 7:10 Uhr an einem Steinschreibtisch, auf einem bequemen Sessel, in einem luxuriös ausgestatteten viktorianischen Stadthaus aus dem 19 Jahrhundert. Es regnet, zuwider aller Erwartungen, nicht und die Temperaturen bewegen sich zumindest im zweistelligen Bereich. Wir freuen uns auf die Stadt und die darauf folgende Rückfahrt mit dem Auto. Der Highway 101 an der Küste entlang muss wirklich schön sein...  

  

Der letzte Eintrag begann mit dem Regen. An diesem Donnerstag regnete es, abgesehen von wenigen Stunden, den ganzen Tag, sturzfallartig... Bodenbelege, Abwasserkanäle und im allgemeinen die ganze Stadt schienen überfordert und gleichzeitig erlöst (es hatte sehr lange keinen Regen gegeben, weshalb die Feuer in den letzten Monaten nicht unter Kontrolle zu bringen gewesen waren).  

Wir entscheiden uns für einen Besuch im National History Museum.     

  

Das Museum beherbergt Dinosauerier-Skelette, lebensechte Tierpuppen, (inszeniert in Schaufenstern, die ihren Lebensraum darstellen) und viele Inhalte, die sich mit Klimawandel, Evolution und Ökologie auseinandersetzen. Alles wirkt dabei interaktiv (Bildschirme mit Touchoberfläche informieren detailliert) und will verständlich sein. Das meiste ist auch für Kinder nutzbar, weshalb sich an diesem Tag, neben Familien, auch Schulklassen im Museum aufhalten.   

Mein persönliches Highlight ist die, zusätzlich gebuchte, Fotoausstellung "Wildlifephotographer of the Year" im Untergeschoss des Museums. Hier kürt das National History Museum London jedes Jahr in verschiedenen Kategorien die besten Natur- und Tierfotografen. Dabei gibt es auch die Alterskategorien "unter 10 Jahren", "10-14 Jahren", und "14-17 Jahren".   

Die Fotografien der jeweiligen Finalisten und Gewinner werden vor Lichtboxen in abgedunkelter Halle, perfekt inszeniert. Zu jedem Bild gibt es eine Geschichte und, sehr interessant, die jeweiligen Kameraspezifikationen (Modell, Blende, Iso, Stative, etc...) Ca. 40 Prozent der Bilder wurden mit einer Canon 1DX geschossen, die mit über 5000 Euro (ohne Objektiv) die meisten Hobbyfotografen-Budgets sprengt, aber unglaublich gute Ergebnisse erzielt. Drei Fotos mit einer Sony Alpha 7II, immerhin...  

Wir halten uns bestimmt eine Stunde bei den Fotografien auf. Danach noch durch die 2 Museumsshops (Dinosaurier für Melina :-) ) und in den Bus zum L.A. vegan (an 5 Tagen haben wir hier mittags oder abends gegessen)   

  

Am Freitag verlassen wir erst gegen 15 Uhr unsere Unterkunft, da wir den Mittag nutzen um ein wenig zu schlafen. Unser Bus nach San Francisco fährt um 1:45 in der Nacht ab... das heißt wach bleiben!   

Unser Weg führt uns zuerst wieder in's bekannte L.A. vegan, wo uns die Bedienung von einem deutschen Schauspieler (Oliver Gruber) erzählt, der mit seinen Freundinnen häufig im Restaurant gewesen wäre. Wir kennen weder ihn noch einen seiner Filme (imdb gibt Auskunft über einige B-Movies, die es wohl nicht oder nur kurz in die deutschen Kinos geschafft haben)  

Wir haben unser gesamtes Gepäck (besteht zum Glück nur aus zwei prall gefüllten Handgepäcksrucksäcken und einer Kameratasche) dabei und machen uns auf den Weg zum Griffith Observatory. Es ist dunkel als wir gegen 19:00 im ShuttleBus zum berühmten Sternenteleskop sitzen. Der Weg dorthin, mit den mittlerweile uns vertrauten, U-Bahnen von Downtown-LA zeigt wieder kurz die Schattenseite LA's. Unzählige psychisch Verwirrte, Obdachlose, offensichtlich Drogenabhängig in den Bahnhöfen und Zügen. Es scheint leicht in Amerika sozial abzurutschen (sogar in Kalifornien)...Die Anblicke machen nachdenklich. Die Stadt ist sich ihrer Bewohner unter dem Existenzminimum natürlich bewusst. Überall gibt es kleine Versuche zur Hilfestellung (z.B. wird auf Plakaten ein Preisnachlass, für Menschen mit geringem Einkommen, auf die Benutzung der Metro angeboten, obwohl dieser Preis verglichen mit den meisten anderen Städten schon sehr niedrig ist)   

Los Angeles strebt bis 2020 einen Mindestlohn von 15 Dollar an (Was bei den immensen Kosten des alltäglichen Lebens noch zu wenig scheint.  

Kurz vor Erreichen des Griffith Observatory steigen Besucher zu, die das letzte Stück vom Parkplatz nach oben fahren möchten. Unter ihnen ist unsere Sitznachbarin vom Hinflug, die zwischenzeitlich in Las Vegas war und nun mit ihrem Vater einige Tage Kalifornien erkundet. Einen so großen Zufall habe ich bis jetzt selten erlebt.   

Wir fahren gemeinsam nach oben und erzählen ein wenig vom Erlebten. Oben angekommen baue ich mein Kamerastativ auf, ohne die Show zu beachten, die im Innern der Sternenwarte beginnt. Ich versuche einige gute Bilder vom nächtlichen Los Angeles aufzunehmen. Der Wind und die Kälte erschweren das Fotografieren zwar, aber nach einer halben Stunde sind einige brauchbare Dateien auf der SD-Karte gelandet.   

Wir fahren zurück zur U-Bahn-Station und nehmen die nächste Bahn zu den Universal Studios.  

Wir haben vor uns einen Film im Kino anzusehen, um die Zeit bis zur Abreise möglichst bequem und warm zu verbringen. Wir zahlen pro Ticket 19.50$ für die 21:30 Uhr Vorstellung des "Grinch).   

Die Kinositze sind Ledersessel mit zwei Metern Beinfreiheit die in sämtliche Positionen verstellbar sind (Bis hin zur Liegeposition) Bequemer kann man einen Film nicht sehen.   

Nachdem Melina, gefühlt, nur die Hälfte des Films mitbekommen hat (die Sessel waren wirklich bequem) geht es zurück nach Downtown.   

Wir fahren einige Stationen mit dem Bus, um zur Greyhound-Station zu kommen. Auf den Bürgersteigen haben Obdachlose mittlerweile unzählige Zelte aufgebaut. Das Stadtbild verändert sich nachts. Die Polizeipräsenz ist extrem hoch, die Sirenen permanent zu hören und die Straßen sind vermüllt. Die Nacht wird von Touristen gemieden...wir sehen auf dem letzten Kilometer, den wir zu Fuß laufen, niemanden von außerhalb.   

    

Der Bus fährt pünktlich ab. 9 anstrengende Stunden liegen vor uns. Empfehlen würde ich im Nachhinein entweder den Zug oder das Flugzeug. Wir kommen sicher und müde in San Francisco an. Zeit die Unterkunft und ein passendes Restaurant zu finden.  

  

Felix

 

  

 

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