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Von San Francisco zurück nach Los Angeles auf dem Pacific Coast Highway  

Ich sitze im Flugzeug höre Gregory Alan Isakov und verfasse den letzten Eintrag rund um Kalifornien. Neben mir ist Melina, nach drei Gin Tonic und einem "Cocktail", leicht angetrunken und schaut, eingeengt, einen Film.   

Ich will über die, für mich, eindrucksvollste Etappe dieser Reise berichten. Den Pacific Coast Highway. Die Route 1.   

  

In Deutschland habe ich parallel zu Flügen und Reisebus-Tickets einen Mietwagen gebucht. Der Plan war es, die letzten Tage in Amerika, ein wenig die Natur zu erleben. Mir war der Mythos Pacific Coast Highway dunkel bekannt. Eine wunderschön kurvige Strecke, die sich die komplette Westküste der USA hinunter oder hinauf schlängelt. Ich möchte jederzeit anhalten können, um das Meer sehen, hören und fühlen zu können. Ich erwartete viel und sollte mehr bekommen.   

  

Wir starten am San Francisco Airport. Warren, der Alamo-Mitarbeiter, der uns unsere Mietwagenschlüssel übergibt, ist unglaublich freundlich. Wache, strahlende Augen.   

Wir haben, logischerweise, das kleinste Auto gebucht. Ich möchte nicht im Übermaß verbrauchen und finde 500 PS starke Ford Mustang Cabrios irgendwie unnötig und ein klein wenig affig. Das kleinste Auto das verfügbar ist, ist immernoch größer als mein Auto in Deutschland...ein Hyundai mit Automatikschaltung. Nach anfänglicher Verwirrung bezüglich P, D und R bin ich irgendwann vertraut und lerne die automatische Gangschaltung wirklich zu schätzen. Man muss wahrscheinlich dazusagen, dass ich mich nicht über Autos definiere und für mich die Aufgabe einer Manuell-Schaltung nicht mit dem eigenen männlichen Gesichtsverlust einhergeht.   

 

Der Pacific Coast Highway ist überwiegend Prestigestrecke, die wunderbare Ausblicke und allgemein ein entspanntes Fahrverhalten bietet. Da es, im näheren Umfeld diverse, neuere Highways und Freeways gibt, wird die Route 1 nicht von Menschen befahren, die schnell ihr Ziel erreichen wollen. Es sind gut zur Hälfte Touristen, die sich Zeit lassen und genießen. Überall gibt es Möglichkeiten rechts ran zu fahren, oft sind es auch Parkplätze, die speziell auf Besonderheiten hinweisen. Ich bin selten so entspannt Auto gefahren.   

  

Von Anfang an reihen sich atemberaubende Landschaften aneinander. Die Beschaffenheit der Klippen, das sich spiegelnde Wasser, die Wolkenformationen...es ist rau und gleichzeitig zart. Es ist weit und doch greifbar. Vorbei an alten Höfen, durch wunderbare rot-erdige Hügelketten, rechts das Meer, das Tosen, der Geruch.  

Abgerundet wird diese fantastische Kulisse durch "Hotel Matze"-Podcast Interviews mit Eidinger, Niemann, Schilling und Kim Frank. Musik wäre zu unruhig. Diese Strecke lädt zum Grübeln und Nachdenken ein. Ich bin dankbar um die Sichtweisen, die ich mit meinen eigenen abgleichen kann. Dankbar für Denkanstöße und die ruhigen Stimmen, die sie vortragen. Ich fühle mich als würden mich Matze und seine Gäste begleiten.   

  

Wir übernachten an drei Orten. Seaside, Morro Bay und Ventura. Eine, kilometertechnisch, ideale Aufteilung der Strecke. Die letzte Etappe von Morro Bay nach Ventura ist wesentlich weniger reizvoll als die beiden vorangegangen Etappen.   

  

Die ersten Abschnitte bieten an einigen Stellen das Beobachten von Seelöwen, die müde die Strände belagern. Ihre Größe und die kurze Distanz sind berührend und verpassen mir einen von so vielen Glücksmomenten. Es gibt Leuchttürme, steile Klippen, brachiale Gewalt und lieblich grüne Landschaften.   

Ich genieße diese Natur auf so vielen Ebenen, dass ich beschließe irgendwann diese Strecke zu Fuß zu gehen, um sie zu würdigen und zu verinnerlichen. Ich habe das Gefühl, dass diese 3 Tage an der Küste nur der Auftakt zu einer größeren Erfahrung sein könnten. Der Blick durchs Schlüsselloch. Flüchtiger Augenkontakt.   

 

Von Ventura bis zum Flughafen führt die Straße durch Malibu und den Überbleibseln der Feuer. Betroffen sind vor allem große Waldgebiete. Abgebrannte Häuserruinen sieht man entlang des Meeres nur vereinzelt. Der Verkehr wird dichter und findet den Höhepunkt dann vor und in Los Angeles. Direkt hinter uns kommt es zu einem mittelschweren Unfall. Eingeleitet durch Reifenquietschen, dann der Einschlag. Ich bin angespannt und möchte den Mietwagen loswerden, weshalb wir früher als erwartet ankommen, die Schlüssel abgeben und den Shuttlebus zum Airport nehmen.   

  

Kalifornien bietet unglaublich viel für Menschen, die es sich leisten können. Mich machen Anblicke auf dieser Reise dermaßen traurig und nachdenklich, dass ich mich zeitweise danach sehne alleine zu sein und zu verarbeiten. Melina und ich sind, abgesehen von Zeiten im Bad und einer morgendlichen kurzen Fototour, Tag und Nacht beieinander. Für einen eigensinnigen Menschen wie mich ist es oft schwierig permanent den Kompromiss suchen zu müssen. Das ist mein eigener Anspruch auf Reisen mit  anderen Menschen. Ich fühle mich verpflichtet Kompromisse einzugehen und von Zeit zu Zeit von eigenen Pfaden abzuweichen. Ich bin der Meinung, dass es ein Teil von uns Menschen und unserer Sozialkompetenz ist, genau das zu tun und halte es auch für richtig.   

In einigen Momenten sehne ich mich nach Entbehrungen, will auf noch mehr Luxus verzichten, will an körperliche Grenzen stoßen und versuchen nur den nötigsten Konsum wahrzunehmen.   

  

Ich reise gern gemeinsam und bereue die Entscheidung nicht. Zum Wohl meiner Mitmenschen und mir selbst, ist mir aber bewusst geworden, dass 14 Tage vielleicht eine etwas zu lange Zeit sind. Ich bin mir bewusst, dass solche Aussagen bestimmt auch auf ein gewisses Umverständnis stoßen können.   

  

Ich bin dankbar für Erlebnisse und Erfahrungen. Dankbar für die gemeinsame Zeit. Dankbar sich neuen Situationen stellen zu können und an ihnen zu wachsen.   

  

Danke an alle, die das hier währenddessen verfolgt haben oder in Zukunft lesen.   

  

Felix

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