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Wie gut ist der neue Tarantino? ONCE UPON A TIME...In HOLLYWOOD

Lohnt sich der neue Tarantino: Once upon a time...in Hollywood?

 

Tarantinos neunter, und vermutlich vorletzter, Film zitiert filmisch das Hollywood des Jahres 1969 und erzählt dabei die Geschichte des in die Jahre gekommenen Schauspielers Rick Dalton, der sich damit abfinden muss immer weiter in die Bedeutungslosigkeit abzugleiten. Er wird begleitet von seinem Stuntdouble und Chauffeur Cliff Booth, ein introvertierter Mann mit dunkler Vergangenheit. 

Once upon a time... wirkt stellenweise so aus der Zeit gefallen wie seine Hauptprotagonisten, will sich aber auch erst überhaupt nicht mit heutigen Blockbustern vergleichen. Auf Film gedreht, bedient er sich, in Sachen Kameraführung und Aufbau, tarantinotypisch, bei Filmen der 70er Jahre. Was da über die Leinwand flimmert ist grobkörnig, warm und unverwechselbar. Es tut gut im Kino etwas zu sehen, dass optisch nicht wie der neuste Marvel-Film aussieht. 

Look und Gefühl gleichen Längen und die, stellenweise fehlende, Abwechslung nicht aus, aber allein die Charaktere machen den Film schon sehenswert.  

 

Sie sind vielfältig, widersprüchlich und dabei so unglaublich symphatisch, dass man sie gerne auf ihren Touren durch die Hollywood Hills begleitet. 

Rick Dalton, ein psychisch labiler, mal extrovertiert aggressiv, mal unkontrolliert sentimentaler Schauspieler, der die besten Zeiten hinter sich hat und vom Helden zum Antihelden und von dort weiter in die Bedeutungslosigkeit rutscht (phasenweise phantastisch gespielt von Leonardo DiCaprio) und Cliff Booth, der sich wortkarg und mit bewegter Vergangenheit durch sein einfaches Leben hangelt. Brad Pitt verleiht ihm etwas aufrichtiges und schafft es gleichzeitig einigen der schwarzhumorigsten Szenen des Films eine eigene Note zu verleihen. (Die Dialoge sind dabei so gut, dass es sich lohnt den Film im Original und nicht in der synchronisierten, deutschen Fassung zu sehen)

Neben DiCaprio und Pitt wurden einige junge Gesichter des gegenwärtigen Hollywoods mit Rollen bedacht. Unter ihnen Margot Robbie, Dakota Fanning und Luke Perry, die gegen das Hauptdarsteller Duo aber blass bleiben. 

 

Die Nebenhandlung rund um die Manson Morde ist Mittel zum Zweck und dient Tarantino lediglich dazu überhaupt auf verschiedenen Ebenen erzählen zu können. Der Film lebt von Szene zu Szene, von Situation zu Situation. Er spannt nicht den großen Bogen und die Geschichte bleibt trotz langer Laufzeit sehr oberflächlich. 

 

Tarantino ist mittlerweile 56 Jahre alt. Niemand erwartet eine Kinorevolution. Es ist die stetige Rückbesinnung in die goldenen Jahre des Films. Auch das obligatorische Splatterfinale wirkt trotz, stellenweise, grandios abstruser Szenen, etwas gewollt und ohne die gesellschaftliche Durchschlagskraft früherer Tarantino-Filme. Once Upon a Time in Hollywood ist entspannter unaufgeregter als einige seiner Vorgänger. Er schafft es, uns das altbekannte Tarantino-Rezept in neuem Setting zu servieren und sich damit zwangsläufig von aktuellen Filmproduktionen angenehm abzuheben. Etwas bodenständiger und nahbarer als noch vor einigen Jahren und dabei trotzdem gut. Ein warmer Film über die goldenen Jahre Hollywoods, im Golden State Kalifornien ... ab heute im Kino.

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